RKM 740

Plötzlicher Hörverlust und Hörsturz

Wenn das Hörvermögen auf einem Ohr plötzlich deutlich nachlässt, Geräusche dumpf oder verzerrt klingen oder sich das Ohr wie mit Watte verschlossen anfühlt, sollte die Ursache zeitnah HNO-ärztlich geklärt werden. Ein plötzlicher Hörverlust kann verschiedene Ursachen haben und ist nicht automatisch ein Hörsturz.

Als Hörsturz wird ein plötzlich auftretender sensorineuraler Hörverlust bezeichnet, bei dem die Störung im Innenohr liegt und sich trotz Untersuchung keine andere eindeutige Ursache feststellen lässt. Meist ist nur ein Ohr betroffen. Ohrgeräusche oder Schwindel können gleichzeitig auftreten.

Wichtig ist zunächst die Unterscheidung zwischen einer Störung der Schallleitung im äußeren Ohr oder Mittelohr und einer plötzlich entstandenen Innenohrschwerhörigkeit. Davon hängen die weitere Diagnostik und mögliche Behandlung ab.

Nicht jeder plötzliche Hörverlust ist ein Hörsturz

Ein Ohrenschmalzpfropfen, Flüssigkeit im Mittelohr, eine akute Mittelohrentzündung oder ein Trommelfelldefekt können das Hören innerhalb kurzer Zeit deutlich verändern. In diesen Fällen gelangt der Schall nicht ungehindert zum Innenohr.

Bei einer sensorineuralen Hörminderung liegt die Störung dagegen im Innenohr oder seltener im Bereich des Hörnervs. Lässt sich hierfür keine konkrete Ursache nachweisen, wird von einem idiopathischen plötzlichen sensorineuralen Hörverlust beziehungsweise Hörsturz gesprochen.

Ein Druck- oder Wattegefühl im Ohr hilft bei dieser Unterscheidung nur begrenzt. Es kann sowohl bei einer Belüftungsstörung des Mittelohres als auch bei einem Hörsturz auftreten. Deshalb sollte ein plötzlich verändertes Hörvermögen nicht allein nach dem Gefühl im Ohr eingeordnet werden.

Welche Symptome sind typisch?

Ein Hörsturz kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Manche Patient:innen bemerken nur eine Veränderung einzelner Tonhöhen, andere hören auf dem betroffenen Ohr deutlich leiser. Möglich sind:

  • plötzlich einsetzende, meist einseitige Hörminderung
  • dumpfes oder watteartiges Gefühl im Ohr
  • Ohrgeräusche wie Pfeifen, Rauschen oder Summen
  • verzerrtes Hören oder veränderte Tonhöhenwahrnehmung
  • seltener Schwindel oder Gleichgewichtsstörungen

Starke Ohrenschmerzen gehören nicht zu den typischen Merkmalen eines Hörsturzes. Treten Schmerzen, Ausfluss aus dem Ohr oder Beschwerden nach einem Unfall oder starken Lärmereignis auf, kommen andere Ursachen in Betracht.

Wann ist schnelle Hilfe notwendig?

Ein anhaltender plötzlicher Hörverlust sollte zeitnah HNO-ärztlich untersucht werden. Je stärker die Hörminderung ist oder je deutlicher sie sich innerhalb kurzer Zeit verändert, desto wichtiger ist eine frühe diagnostische Einordnung.

Treten gleichzeitig Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen, ausgeprägte Gefühlsstörungen, Bewusstseinsstörungen oder starke neue Kopfschmerzen auf, muss eine akute neurologische Ursache ausgeschlossen werden. In solchen Situationen ist eine sofortige notfallmedizinische Abklärung erforderlich.

Auch ein plötzlich beidseitig schlechteres Hören, ein Hörverlust nach einem Unfall oder ein ausgeprägter Schwindel mit Gangunsicherheit erfordern eine rasche ärztliche Beurteilung.

Wie wird ein plötzlicher Hörverlust untersucht?

Am Anfang stehen die genaue Beschreibung des Beginns, mögliche Begleitsymptome und die Untersuchung von Gehörgang und Trommelfell. So lassen sich häufige Ursachen im äußeren Ohr und Mittelohr erkennen oder ausschließen.

Eine Hörmessung zeigt, welche Frequenzen betroffen sind und ob eine Schallleitungs- oder Schallempfindungsstörung vorliegt. Diese Unterscheidung ist für die Diagnose entscheidend. Je nach Befund können weitere Untersuchungen des Mittelohres oder des Gleichgewichtssystems sinnvoll sein.

Bei einer bestätigten sensorineuralen Hörminderung wird geprüft, ob Hinweise auf eine erkennbare Ursache bestehen. Eine routinemäßige Computertomografie oder umfangreiche Labordiagnostik ist nicht bei jedem Hörsturz erforderlich. Bei bestimmten Verläufen kann jedoch eine Magnetresonanztomografie oder eine Untersuchung der Hörbahn notwendig werden.

Weitere Informationen zu den Hörprüfungen im RKM 740 HNO finden Sie unter Hörstörungen.

Welche Ursachen kommen infrage?

Bei einem Hörsturz lässt sich definitionsgemäß keine eindeutige Ursache feststellen. Ein plötzlicher Hörverlust kann jedoch auch im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen oder Ereignissen auftreten. Dazu gehören beispielsweise akustische Traumata, Entzündungen des Innenohres, bestimmte Erkrankungen des Gleichgewichtsorgans oder selten Veränderungen im Verlauf des Hörnervs.

Auch wiederkehrende oder beidseitige Hörverluste werden anders beurteilt als ein einmaliges, typisches Ereignis. Die Diagnose „Hörsturz“ steht deshalb nicht am Anfang der Untersuchung, sondern erst nach der Einordnung möglicher anderer Ursachen.

Wie wird ein Hörsturz behandelt?

Wird eine konkrete Ursache des plötzlichen Hörverlusts gefunden, richtet sich die Behandlung nach dieser Erkrankung. Bei einem idiopathischen Hörsturz gibt es dagegen keine Therapie, die das Hörvermögen zuverlässig bei allen Patient:innen wiederherstellt.

Kortisonhaltige Medikamente können abhängig von Ausmaß, Zeitpunkt und persönlicher medizinischer Situation erwogen werden. Sie können als systemische Behandlung oder in ausgewählten Fällen direkt über das Trommelfell in das Mittelohr gegeben werden. Nutzen, mögliche Nebenwirkungen und bestehende Begleiterkrankungen müssen dabei gegeneinander abgewogen werden.

Eine intratympanale Kortisonbehandlung kann insbesondere dann eine Option sein, wenn eine systemische Behandlung nicht möglich ist oder die Hörminderung nicht ausreichend zurückgeht. Welche Vorgehensweise sinnvoll ist, wird anhand des individuellen Hörbefundes entschieden.

Andere Medikamente wie antivirale oder durchblutungsfördernde Präparate werden bei einem idiopathischen Hörsturz nicht routinemäßig empfohlen. Eine vollständige Erholung des Hörvermögens kann unabhängig vom gewählten Vorgehen nicht garantiert werden.

Wie entwickelt sich das Hörvermögen?

Eine spontane Besserung ist möglich und kann bereits innerhalb der ersten Tage auftreten. Wie vollständig sich das Hörvermögen erholt, lässt sich zu Beginn jedoch nicht sicher vorhersagen. Unter anderem spielen das Ausmaß der Hörminderung, die betroffenen Frequenzen und mögliche Begleitsymptome eine Rolle.

Nach der akuten Phase sollte das Hörvermögen erneut gemessen werden. Bleibt eine relevante Einschränkung bestehen, können je nach Befund weitere Kontrollen oder eine audiologische Versorgung notwendig werden.

Was können Betroffene selbst tun?

Ein plötzlich schlechteres Hören sollte nicht über Tage ausschließlich mit Ohrentropfen, Nasenspray oder einem Druckausgleich behandelt werden, ohne die Ursache zu kennen. Besonders einseitige und anhaltende Veränderungen gehören HNO-ärztlich untersucht.

Allgemeine Maßnahmen wie Ruhe oder weniger Stress können als angenehm empfunden werden, ersetzen aber weder die Diagnostik noch eine medizinisch begründete Behandlung. Verordnete Medikamente sollten nicht eigenständig begonnen, verändert oder abgesetzt werden.

Medizinische Prüfung

Medizinisch geprüft von Prof. Dr. med. Christoph Bergmann
Stand: September 2026

Häufige Fragen

Ist ein Hörsturz ein Notfall?

Ein Hörsturz ist in der Regel kein lebensbedrohlicher Notfall, sollte aber zeitnah HNO-ärztlich abgeklärt werden. Treten zusätzlich neurologische Ausfälle, starke neue Kopfschmerzen, Bewusstseinsstörungen oder andere Warnzeichen auf, ist eine sofortige notfallmedizinische Untersuchung erforderlich.

Kann sich ein Hörsturz wie ein verstopftes Ohr anfühlen?

Ja. Ein dumpfes oder watteartiges Gefühl kann bei einem Hörsturz auftreten. Dasselbe Gefühl kann jedoch auch durch Ohrenschmalz, Flüssigkeit im Mittelohr oder eine Tubenfunktionsstörung entstehen. Ohne Hörprüfung lässt sich die Ursache nicht zuverlässig unterscheiden.

Hilft Kortison immer?

Nein. Kortison kann bei einem idiopathischen plötzlichen sensorineuralen Hörverlust erwogen werden, führt aber nicht bei allen Patient:innen zu einer vollständigen Erholung. Die wissenschaftliche Evidenz ist nicht in allen Fragen eindeutig, weshalb Nutzen und Risiken individuell besprochen werden.

Kann sich das Gehör von allein erholen?

Ja. Eine spontane Besserung ist möglich. Ob sie eintritt und wie vollständig das Hörvermögen zurückkehrt, lässt sich im Einzelfall jedoch nicht sicher vorhersagen. Deshalb sollte ein anhaltender plötzlicher Hörverlust trotzdem ärztlich untersucht werden.

Ist immer ein MRT notwendig?

Nein. Eine Magnetresonanztomografie ist nicht Bestandteil jeder Erstuntersuchung. Sie kann sinnvoll sein, wenn der Verlauf, die Hörmessung oder weitere Beschwerden auf eine Ursache außerhalb des Innenohres beziehungsweise im Bereich des Hörnervs hinweisen.

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RKM 740 Hals-Nasen-Ohrenheilkunde Prof. Dr. med. Christoph Bergmann

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