RKM 740

Allergische Rhinitis

Die allergische Rhinitis ist eine entzündliche Reaktion der Nasenschleimhaut auf bestimmte Allergene. Typisch sind Niesanfälle, eine laufende oder verstopfte Nase und Juckreiz. Treten gleichzeitig Beschwerden an den Augen auf, wird von einer allergischen Rhinokonjunktivitis gesprochen.

Der häufig verwendete Begriff Heuschnupfen bezeichnet genau genommen die durch Pollen ausgelöste Form. Eine allergische Rhinitis kann jedoch auch durch Hausstaubmilben, tierische Allergene, Schimmelpilze oder Stoffe am Arbeitsplatz verursacht werden und das ganze Jahr über bestehen.

Was passiert bei allergischer Rhinitis?

Bei einer allergischen Rhinitis reagiert das Immunsystem auf eigentlich harmlose Bestandteile der Umwelt. Häufig handelt es sich um eine sogenannte IgE-vermittelte Sofortreaktion.

Nach dem Kontakt mit dem Allergen werden unter anderem Histamin und weitere Entzündungsstoffe freigesetzt. Dadurch erweitern sich Blutgefäße, die Nasenschleimhaut schwillt an und produziert vermehrt Sekret. Die Reaktion kann innerhalb weniger Minuten beginnen. Bei anhaltender Belastung kann sich eine länger bestehende Entzündung der Schleimhaut entwickeln.

Eine erbliche Veranlagung kann das Risiko erhöhen. Ob und wann eine Allergie tatsächlich auftritt, hängt jedoch von mehreren Faktoren ab. Eine allergische Rhinitis kann bereits im Kindesalter beginnen, aber auch erstmals bei Erwachsenen auftreten.

Was löst allergische Rhinitis aus?

Zu den häufigsten Auslösern gehören:

  • Pollen von Bäumen, Gräsern und Kräutern
  • Hausstaubmilben
  • Allergene von Tieren
  • Schimmelpilzsporen
  • beruflich auftretende Allergene

Pollenallergien verursachen meist Beschwerden während bestimmter Monate. Der genaue Zeitraum richtet sich nach der jeweiligen Pflanze, dem Wetter und der regionalen Pollensituation. Durch mildere Temperaturen können Pollensaisons früher beginnen und länger andauern.

Hausstaubmilben- und Tierallergene können dagegen ganzjährig Beschwerden auslösen. Die Belastung ist häufig in Innenräumen besonders ausgeprägt. Bei Tierallergien reagieren Betroffene meist nicht auf die Haare selbst, sondern auf Eiweißbestandteile aus Hautschuppen, Speichel oder anderen Körpersekreten.

Ein Mensch kann auf mehrere Allergene sensibilisiert sein. Hinzu kommen mögliche Kreuzreaktionen: Bestimmte Pollenallergene ähneln Eiweißbestandteilen in Lebensmitteln. Dadurch kann es beispielsweise nach dem Verzehr einzelner Obst-, Gemüse- oder Nusssorten zu Jucken oder Kribbeln im Mund kommen.

Welche Symptome sind typisch?

Eine allergische Rhinitis kann sich unterschiedlich äußern. Häufig sind:

  • anfallsartiges Niesen
  • Juckreiz in Nase oder Rachen
  • wässriger Nasenfluss
  • eine verstopfte Nase
  • eine eingeschränkte Nasenatmung
  • gerötete, juckende oder tränende Augen
  • nachlassender Geruchssinn
  • Müdigkeit und verminderte Konzentration

Die Beschwerden können leicht sein oder Schlaf, Leistungsfähigkeit und Alltag deutlich beeinträchtigen. Bei einer ganzjährigen Allergie steht häufig die verstopfte Nase im Vordergrund. Ausgeprägte Niesattacken und ein wässriger Schnupfen sind besonders typisch für eine pollenbedingte Allergie.

Fieber gehört nicht zu den typischen Beschwerden einer allergischen Rhinitis. Es spricht eher für einen Infekt oder eine andere Ursache.

Wie verläuft eine allergische Rhinitis?

Die Stärke der Beschwerden kann sich im Laufe des Lebens verändern. Manche Allergien bleiben über Jahre ähnlich, andere nehmen zu oder werden schwächer. Auch neue Sensibilisierungen können hinzukommen.

Die Einteilung in saisonale und ganzjährige Formen bietet eine erste Orientierung. Für die medizinische Beurteilung ist jedoch ebenso wichtig, wie häufig die Beschwerden auftreten und wie stark sie Schlaf, Alltag, Schule oder Beruf beeinträchtigen.

Eine länger bestehende verstopfte Nase führt nicht automatisch zu einer chronischen Nasennebenhöhlenentzündung. Beide Erkrankungen können jedoch gleichzeitig vorkommen und sich gegenseitig beeinflussen. Deshalb sollte bei anhaltenden Beschwerden geprüft werden, ob neben der Allergie weitere Veränderungen der Nase oder der Nasennebenhöhlen vorliegen.

Nase und Ohren

Eine ausgeprägte Schleimhautschwellung kann nicht nur die Nasenatmung behindern. Sie kann auch den Bereich im Nasenrachen betreffen, in dem die Verbindung zwischen Nase und Mittelohr beginnt.

Bei manchen Patient:innen treten deshalb zusätzlich Ohrdruck, ein gedämpftes Hörgefühl oder Probleme beim Druckausgleich auf. Solche Beschwerden können allerdings zahlreiche weitere Ursachen haben und sollten unabhängig untersucht werden.

Kann allergische Rhinitis die Bronchien betreffen?

Nase und Bronchien bilden ein zusammenhängendes Atemwegssystem. Eine allergische Rhinitis und allergisches Asthma kommen daher vergleichsweise häufig gemeinsam vor.

Husten, pfeifende Atemgeräusche, ein Engegefühl im Brustkorb oder Luftnot gehören nicht mehr zu einer allein auf die Nase begrenzten allergischen Rhinitis. Bei solchen Beschwerden sollte geprüft werden, ob die unteren Atemwege beteiligt sind.

Der gelegentlich verwendete Begriff „Etagenwechsel“ kann den Eindruck erwecken, eine Nasenallergie entwickle sich zwangsläufig zu Asthma. Das ist nicht der Fall. Eine allergische Rhinitis ist jedoch mit einem erhöhten Asthmarisiko verbunden und sollte bei entsprechenden Anzeichen ernst genommen werden.

Wie wird allergische Rhinitis festgestellt?

Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Beschwerden, möglichem Allergenkontakt und Untersuchungsergebnissen. Ein positiver Haut- oder Bluttest allein beweist noch nicht, dass das betreffende Allergen die Beschwerden verursacht. Er zeigt zunächst eine Sensibilisierung des Immunsystems.

Umgekehrt schließen unauffällige Haut- und Bluttests eine allergische Reaktion in der Nase nicht in jedem Fall vollständig aus. Bei einer sogenannten lokalen allergischen Rhinitis findet die Reaktion überwiegend in der Nasenschleimhaut statt. Diese Diagnose erfordert eine gezielte fachärztliche Abklärung. Hierbei kann eine allergische Reaktion mittels nasaler oder konjunktivaler Provokationsprüfung gezielt nachgewiesen werden.

Auch nicht allergische Schleimhautreaktionen, Infekte, Medikamente, Polypen oder anatomische Engstellen können ähnliche Beschwerden hervorrufen. Die Unterscheidung ist wichtig, weil sich die Behandlung nach der tatsächlichen Ursache richtet.

Wie die allergologische Untersuchung im RKM 740 HNO erfolgt, erfahren Sie unter Allergologie und Allergiediagnostik.

Wie wird allergische Rhinitis behandelt?

Die Behandlung richtet sich nach dem Auslöser, der Häufigkeit und Stärke der Beschwerden sowie möglichen Begleiterkrankungen. Sie kann aus mehreren Bausteinen bestehen:

  • Verringerung der relevanten Allergenbelastung
  • Behandlung der Beschwerden mit geeigneten Medikamenten
  • Allergen-Immuntherapie bei ausgewählten Allergien

Antihistaminika können Juckreiz, Niesen und Nasenfluss lindern. Entzündungshemmende Nasensprays wirken vor allem gegen die Schleimhautschwellung und sollten regelmäßig und korrekt angewendet werden. Unterstützend können Kochsalzlösungen oder Nasenspülungen eingesetzt werden.

Abschwellende Nasensprays sind davon zu unterscheiden. Werden sie über längere Zeit verwendet, können sie selbst eine anhaltende Schleimhautschwellung verursachen. Für die dauerhafte Behandlung einer allergischen Rhinitis sind sie daher nicht geeignet.

Bei einer nachgewiesenen und klinisch relevanten Allergie kann eine Allergen-Immuntherapie infrage kommen. Sie kann die Beschwerden und den Bedarf an Medikamenten verringern und den Verlauf der allergischen Erkrankung beeinflussen. Ob sie sinnvoll ist, hängt unter anderem vom Allergen, der Stärke der Beschwerden und dem allgemeinen Gesundheitszustand ab.

Eine Operation kann anatomische Engstellen oder andere strukturelle Veränderungen behandeln. Die allergische Reaktion selbst lässt sich dadurch nicht beseitigen.

Im Alltag

Maßnahmen zur Allergenvermeidung sollten sich immer am tatsächlich relevanten Auslöser orientieren. Ein positives Testergebnis allein ist kein Grund, den Alltag unnötig einzuschränken.

Bei einer Pollenallergie können aktuelle Polleninformationen helfen, Aktivitäten und Lüftungszeiten anzupassen. Kleidung, die im Freien getragen wurde, sollte möglichst nicht im Schlafzimmer abgelegt werden. Haarewaschen vor dem Schlafengehen kann die Pollenmenge im Bett verringern.

Bei einer Hausstaubmilbenallergie können milbendichte Bezüge für Matratze und Bettzeug sinnvoll sein. Bettwäsche sollte entsprechend den Materialangaben regelmäßig gewaschen werden. Umfangreiche Maßnahmen sind jedoch nur dann sinnvoll, wenn eine klinisch relevante Hausstaubmilbenallergie festgestellt wurde.

Tierallergene können sich lange in Räumen, Textilien und Polstermöbeln halten. Eine kurzfristige Entfernung des Tieres führt deshalb nicht sofort zu einer allergenfreien Umgebung.

Wann abklären?

Eine ärztliche Abklärung ist besonders sinnvoll, wenn:

  • Beschwerden regelmäßig wiederkehren oder über Wochen bestehen
  • Schlaf, Konzentration oder Leistungsfähigkeit beeinträchtigt sind
  • eine freie Nasenatmung dauerhaft nicht möglich ist
  • die Ursache trotz bisheriger Tests unklar bleibt
  • Medikamente nicht ausreichend wirken oder häufig benötigt werden
  • Husten, pfeifende Atmung oder Luftnot hinzukommen
  • eine Allergen-Immuntherapie erwogen wird

Plötzlich auftretende Atemnot, Schwellungen im Mund- oder Rachenraum oder Kreislaufbeschwerden können Zeichen einer schweren allergischen Reaktion sein. In diesem Fall ist sofort der Rettungsdienst unter 112 zu verständigen.

Medizinische Prüfung

Medizinisch geprüft von Prof. Dr. med. Christoph Bergmann
Stand: 08.09.2026

Häufige Fragen

Ist Heuschnupfen dasselbe wie eine allergische Rhinitis?

Heuschnupfen ist die durch Pollen ausgelöste Form der allergischen Rhinitis. Bestehen die Beschwerden beispielsweise aufgrund einer Hausstaubmilben- oder Tierallergie, handelt es sich ebenfalls um eine allergische Rhinitis, aber nicht um Heuschnupfen.

Allergie oder Erkältung?

Juckreiz, anfallsartiges Niesen und ein wässriger Nasenfluss sprechen eher für eine Allergie. Bei einem Infekt treten häufiger Hals- oder Gliederschmerzen, allgemeines Krankheitsgefühl und mitunter Fieber auf. Eine eindeutige Unterscheidung ist anhand einzelner Symptome nicht immer möglich.

Kann eine Allergie später beginnen?

Ja. Eine allergische Rhinitis beginnt zwar häufig im Kindes- oder Jugendalter, kann aber grundsätzlich in jedem Lebensalter erstmals auftreten.

Was bedeutet ein negativer Allergietest?

Ein negativer Haut- oder Bluttest macht eine klassische IgE-vermittelte Allergie weniger wahrscheinlich. Er schließt jedoch nicht jede allergische oder nicht allergische Reaktion der Nasenschleimhaut aus. Entscheidend ist die fachärztliche Einordnung aller Befunde.

Macht ein Kortison-Nasenspray abhängig?

Entzündungshemmende Kortison-Nasensprays verursachen nicht die Gewöhnung, die von abschwellenden Nasensprays bekannt ist. Sie wirken überwiegend lokal an der Nasenschleimhaut. Trotzdem sollten Präparat, Dosierung und Anwendungsdauer ärztlich abgestimmt werden.

Kann allergische Rhinitis das ganze Jahr auftreten?

Ja. Pollenallergien sind meist saisonal, während beispielsweise Hausstaubmilben oder tierische Allergene ganzjährig Beschwerden auslösen können. Der zeitliche Verlauf hilft deshalb bei der Suche nach dem tatsächlich relevanten Auslöser.

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RKM 740 Hals-Nasen-Ohrenheilkunde Prof. Dr. med. Christoph Bergmann

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