Chronische Mittelohrentzündung
Eine chronische Mittelohrentzündung besteht häufig über längere Zeit, ohne dauerhaft Schmerzen zu verursachen. Das Ohr kann zeitweise trocken und unauffällig sein und später erneut Sekret absondern. Auch eine langsam zunehmende Hörminderung wird mitunter erst spät bemerkt.
Anders als bei einer akuten Mittelohrentzündung handelt es sich nicht lediglich um einen vorübergehenden Infekt. Am Trommelfell oder in den angrenzenden Bereichen des Mittelohres bestehen Veränderungen, die von selbst häufig nicht vollständig ausheilen.
Was bedeutet chronische Mittelohrentzündung?
Der Begriff umfasst verschiedene Erkrankungen. Gemeinsam ist ihnen, dass das Trommelfell oder das Mittelohr über längere Zeit verändert sind.
Bei einer chronischen mesotympanalen Mittelohrentzündung besteht meist ein bleibender Defekt im Trommelfell. Über diese Öffnung können Wasser und Krankheitserreger in das Mittelohr gelangen und wiederholt Entzündungen auslösen.
Eine andere Form ist das Cholesteatom. Dabei wächst verhornendes Hautgewebe in Bereiche des Mittelohres, in denen es nicht vorkommen sollte. Das Gewebe kann sich weiter ausbreiten und zusammen mit der chronischen Entzündung angrenzende knöcherne Strukturen schädigen.
Diese Formen unterscheiden sich in ihrem Verlauf und ihrer Behandlung. Deshalb ist eine genaue HNO-ärztliche Einordnung notwendig.
Mögliche Ursachen
Eine chronische Mittelohrentzündung kann sich nach wiederkehrenden oder nicht vollständig ausgeheilten Entzündungen entwickeln. Auch ein Trommelfelldefekt nach einer Verletzung oder einem starken Druckereignis kann bestehen bleiben.
Weitere Faktoren können sein:
- eine länger anhaltende Belüftungsstörung des Mittelohres
- wiederkehrende Paukenergüsse
- ausgeprägte Einziehungen des Trommelfells
- Narben nach früheren Entzündungen oder Operationen
- Veränderungen der Gehörknöchelchen
- eine dauerhaft offene Verbindung zwischen Gehörgang und Mittelohr
Nicht immer lässt sich im Nachhinein eindeutig feststellen, wodurch die Erkrankung entstanden ist.
Welche Symptome sind typisch?
Eine chronische Mittelohrentzündung kann sich sehr unterschiedlich bemerkbar machen. Mögliche Beschwerden sind:
- wiederkehrender oder anhaltender Ausfluss aus dem Ohr
- unangenehmer Geruch des Ohrsekrets
- dumpfes oder vermindertes Hören
- Druck- oder Völlegefühl
- Ohrgeräusche
- wiederkehrende Entzündungen
Schmerzen gehören nicht zwingend dazu. Gerade ein Cholesteatom kann längere Zeit fortschreiten, ohne starke Beschwerden auszulösen.
Warum das Hören nachlässt
Das Trommelfell und die drei Gehörknöchelchen übertragen Schall aus dem Gehörgang an das Innenohr. Ein Trommelfelldefekt kann diese Übertragung beeinträchtigen. Werden zusätzlich Hammer, Amboss oder Steigbügel durch Entzündung oder ein Cholesteatom geschädigt, kann die Hörminderung deutlicher werden.
Dabei handelt es sich häufig um eine Schallleitungsschwerhörigkeit. Besteht zusätzlich eine Schädigung des Innenohres, können beide Formen der Hörminderung gleichzeitig vorliegen.
Wie stark das Hören beeinträchtigt ist, lässt sich nicht allein anhand der Größe des Trommelfelldefekts beurteilen. Deshalb gehört eine Hörprüfung zur Untersuchung.
Kann eine chronische Mittelohrentzündung schmerzfrei sein?
Wenn das Ohr nicht mehr läuft, bedeutet das nicht automatisch, dass die Erkrankung ausgeheilt ist. Ein Trommelfelldefekt oder ein Cholesteatom kann auch in einer beschwerdearmen Phase weiterbestehen.
Umgekehrt muss ein dauerhaftes Loch im Trommelfell nicht ständig entzündet sein. Entscheidend sind der Zustand des Mittelohres, das Hörvermögen, die Häufigkeit von Entzündungen und mögliche Veränderungen im weiteren Verlauf.
Regelmäßige Kontrollen können deshalb auch dann sinnvoll sein, wenn das Ohr aktuell keine Beschwerden verursacht.
Welche Folgen kann eine chronische Mittelohrentzündung haben?
Eine chronische Entzündung kann das Trommelfell und die Gehörknöchelchen zunehmend verändern. Möglich sind Vernarbungen, Verkalkungen, Einziehungen des Trommelfells oder Unterbrechungen der Gehörknöchelchenkette.
Bei einem Cholesteatom können auch angrenzende Knochenstrukturen betroffen sein. In seltenen Fällen kann sich eine Entzündung über das Mittelohr hinaus ausbreiten.
Nicht jede chronische Mittelohrentzündung nimmt einen schweren Verlauf. Anhaltende Ohrsekretion oder eine zunehmende Hörminderung sollten jedoch nicht über längere Zeit unbeobachtet bleiben.
Wasser und Ohrpflege
Bei einem offenen Trommelfell kann Wasser in das Mittelohr gelangen und eine Entzündung begünstigen. Ob und welcher Wasserschutz notwendig ist, hängt vom Befund ab.
Wattestäbchen und andere Gegenstände sollten nicht in den Gehörgang eingeführt werden. Sie können die Haut verletzen, Sekret tiefer in das Ohr schieben oder vorhandene Veränderungen verdecken.
Auch Ohrentropfen sollten nicht ohne vorherige ärztliche Empfehlung angewendet werden. Nicht jedes Präparat ist bei einem offenen Trommelfell geeignet.
Wie wird eine chronische Mittelohrentzündung behandelt?
Die Behandlung richtet sich nach der Form der Erkrankung, der Aktivität der Entzündung und dem Hörvermögen.
Bei einem entzündeten oder laufenden Ohr stehen zunächst die Reinigung des Gehörgangs und eine gezielte lokale Behandlung im Vordergrund. Medikamente können eine akute Entzündung beruhigen, beseitigen aber nicht zwangsläufig einen bleibenden Trommelfelldefekt oder ein Cholesteatom.
Bei einem dauerhaft trockenen, stabilen Ohr kann in bestimmten Situationen auch eine kontrollierte Beobachtung infrage kommen. Ein Cholesteatom muss dagegen in der Regel operativ entfernt werden, da es sich weiter ausbreiten und Knochenstrukturen schädigen kann.
Informationen zu Trommelfellverschluss, Rekonstruktion der Gehörknöchelchen und operativer Behandlung eines Cholesteatoms finden Sie unter Mittelohrchirurgie.
Wann rasch abklären?
Folgende Beschwerden sollten zeitnah HNO-ärztlich untersucht werden:
- neu auftretende starke Ohrenschmerzen
- deutliche oder plötzlich zunehmende Hörminderung
- Schwindel oder Gleichgewichtsstörungen
- Fieber oder ausgeprägtes Krankheitsgefühl
- Schwellung oder Rötung hinter dem Ohr
- Schwäche einer Gesichtshälfte
- Blut oder anhaltende Flüssigkeit aus dem Ohr
Diese Beschwerden müssen nicht zwangsläufig auf eine Komplikation hinweisen, erfordern aber eine ärztliche Beurteilung.
Medizinische Prüfung
Medizinisch geprüft von Prof. Dr. med. Christoph Bergmann
Stand: 08.09.2026
Medizinische Grundlagen
• AWMF: Chronisch mesotympanale Otitis media (CMOM), Version 2.0 in Überarbeitung
• Cochrane Review: Lokale Antiseptika bei chronisch eitriger Mittelohrentzündung
• WHO: Hörverlust und chronische Ohrerkrankungen
Häufige Fragen
Ist die Erkrankung ansteckend?
Die chronische Mittelohrerkrankung selbst ist nicht ansteckend. Bei einer akuten Infektion können jedoch Krankheitserreger im Ohrsekret enthalten sein. Nach dem Kontakt sollten deshalb die Hände gewaschen werden.
Kann das Ohr schmerzfrei erkrankt sein?
Ja. Eine chronische Mittelohrentzündung und auch ein Cholesteatom können längere Zeit ohne Schmerzen bestehen. Ohrsekretion oder eine Hörminderung können die einzigen auffälligen Zeichen sein.
Darf ich schwimmen?
Bei einem offenen Trommelfell oder einem laufenden Ohr kann eindringendes Wasser eine Entzündung auslösen. Ob Schwimmen möglich ist und welcher Schutz benötigt wird, sollte anhand des Befundes entschieden werden.
Helfen Ohrentropfen dauerhaft?
Ohrentropfen können eine akute Entzündung behandeln. Einen bleibenden Trommelfelldefekt schließen sie nicht, und ein Cholesteatom lässt sich damit nicht entfernen.
Ist ein Hörgerät möglich?
Ein Hörgerät kann bei bestimmten Formen der Hörminderung infrage kommen. Bei einem regelmäßig laufenden oder entzündeten Ohr muss jedoch geprüft werden, welche Versorgung geeignet ist und ob zunächst die Erkrankung behandelt werden sollte.
Was ist der Unterschied zwischen einer chronischen Mittelohrentzündung und einem Cholesteatom?
Bei einer chronischen mesotympanalen Mittelohrentzündung besteht häufig ein bleibender Trommelfelldefekt. Ein Cholesteatom ist dagegen eine besondere Form der chronischen Mittelohrerkrankung, bei der verhornendes Gewebe in das Mittelohr einwächst und angrenzende Strukturen schädigen kann. Die Behandlung unterscheidet sich deshalb deutlich.
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RKM 740 Hals-Nasen-Ohrenheilkunde Prof. Dr. med. Christoph Bergmann
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