Tubenfunktionsstörung
Ein Ohr fühlt sich wie unter Wasser an, die eigene Stimme klingt verändert oder bei der Landung entsteht ein schmerzhafter Druck: Hinter solchen Beschwerden kann eine Tubenfunktionsstörung stehen.
Der Begriff beschreibt keine einzelne Erkrankung. Die Ohrtrompete kann zu eng sein, sich bei Druckwechseln nicht ausreichend öffnen oder dauerhaft zu weit offen stehen. Da diese Formen unterschiedlich behandelt werden, ist ihre genaue Unterscheidung wichtig.
Warum ist die Ohrtrompete für den Druckausgleich wichtig?
Die Ohrtrompete, auch Eustachische Röhre genannt, verbindet den Nasenrachen mit dem Mittelohr. Im Alltag bleibt sie überwiegend geschlossen und öffnet sich kurzzeitig beim Schlucken, Gähnen oder Kauen.
Dabei übernimmt sie mehrere Aufgaben:
- Sie gleicht den Druck im Mittelohr aus.
- Sie transportiert Flüssigkeit und Sekret in Richtung Nasenrachen.
- Sie schützt das Mittelohr vor Geräuschen, Sekret und Krankheitserregern aus dem Rachenraum.
Funktioniert dieser Mechanismus nicht richtig, verändert sich der Druck hinter dem Trommelfell. Das kann sich als Völlegefühl, Knacken, Schmerz oder vermindertes Hören bemerkbar machen.
Welche Formen der Tubenfunktionsstörung gibt es?
Verengte Ohrtrompete
Bei der obstruktiven Form ist die Belüftungsfunktion eingeschränkt: Die Ohrtrompete öffnet nicht zuverlässig, sodass im Mittelohr ein Unterdruck entstehen kann. Das Trommelfell kann sich dadurch nach innen verlagern und Schall schlechter übertragen.
Bestehen die Beschwerden weniger als drei Monate, wird von einer akuten Tubenfunktionsstörung gesprochen. Hält die Störung länger an, gilt sie als chronisch.
Beschwerden nur bei Druckwechseln
Manche Patient:innen haben im Alltag keine Beschwerden. Probleme entstehen erst, wenn sich der Umgebungsdruck schnell verändert – beispielsweise beim Fliegen, Tauchen oder bei Fahrten in größere Höhen.
Außerhalb dieser Situationen können das Trommelfell und die Messung des Mittelohrdrucks unauffällig sein. Ein normaler Untersuchungsbefund schließt eine druckabhängige Tubenfunktionsstörung deshalb nicht immer aus.
Klaffende oder offene Ohrtrompete
Bei einer offenen Ohrtrompete bleibt die Verbindung zwischen Mittelohr und Nasenrachenraum zeitweise oder dauerhaft geöffnet. Häufig wird die eigene Stimme dann ungewöhnlich laut oder hallend wahrgenommen. Manche Betroffene hören auch ihre Atmung im Ohr.
Diese Form verursacht ebenfalls ein Druck- oder Fremdgefühl, wird aber grundlegend anders behandelt als eine Verengung. Maßnahmen, die eine verengte Ohrtrompete öffnen sollen, können bei einer offenen Ohrtrompete ungeeignet sein.
Mögliche Ursachen
Eine akute Verengung entsteht häufig im Zusammenhang mit einem Atemwegsinfekt. Die Schleimhäute im Nasenrachen schwellen an und behindern die Öffnung der Ohrtrompete.
Weitere mögliche Ursachen sind:
- allergische Entzündungen der Schleimhäute der oberen Atemwege
- chronische Entzündungen der Nase oder Nasennebenhöhlen
- anatomische Engstellen im Nasenrachen
- vergrößertes lymphatisches Gewebe im Nasenrachenbereich
- Narben nach Operationen oder Bestrahlungen
- Veränderungen der Muskulatur, die an der Öffnung beteiligt ist
Bei einer offenen Ohrtrompete können unter anderem eine deutliche Gewichtsabnahme oder Veränderungen der Schleimhäute eine Rolle spielen. Nicht immer lässt sich eine eindeutige Ursache feststellen.
Besonderheiten bei Kindern
Bei Kindern ist die Ohrtrompete kürzer und verläuft flacher als bei Erwachsenen. Zusätzlich kann vergrößertes Rachenmandelgewebe die Belüftung beeinträchtigen. Deshalb treten Paukenergüsse und Mittelohrentzündungen im Kindesalter häufiger auf.
Hört ein Kind über längere Zeit schlechter, reagiert verzögert oder entwickelt sich die Sprache auffällig, sollte das Gehör untersucht werden. Ein Paukenerguss verursacht nicht immer Schmerzen und kann deshalb unbemerkt bleiben.
Mögliche Folgen
Ein vorübergehender Unterdruck nach einer Erkältung bleibt häufig ohne Folgen. Besteht die Belüftungsstörung jedoch über längere Zeit, kann sich Flüssigkeit hinter dem Trommelfell sammeln. Dadurch nimmt die Beweglichkeit des Trommelfells ab und das Hören kann beeinträchtigt werden.
Lang anhaltender Unterdruck kann außerdem Veränderungen am Trommelfell begünstigen. Dazu gehören Einziehungen oder eine zunehmende Instabilität. Solche Veränderungen entstehen nicht bei jeder Tubenfunktionsstörung, sollten bei anhaltenden Beschwerden aber ausgeschlossen werden.
Fliegen und Tauchen
Beim Start eines Flugzeugs sinkt der Luftdruck in der Umgebung, bei der Landung steigt er wieder an. Besonders während des Sinkflugs muss die Ohrtrompete wiederholt öffnen, damit sich der Druck im Mittelohr anpassen kann.
Schlucken, Gähnen oder Kauen können den Druckausgleich unterstützen. Ein aktiver Druckausgleich sollte vorsichtig und nicht mit großer Kraft durchgeführt werden. Bei einer akuten Erkältung oder starken Ohrbeschwerden kann vor einer Flugreise eine ärztliche Einschätzung sinnvoll sein.
Beim Tauchen sind die Druckveränderungen stärker. Funktioniert der Druckausgleich nicht zuverlässig oder treten Schmerzen auf, sollte der Tauchgang abgebrochen werden. Mit einem akuten Infekt oder einer ungeklärten Belüftungsstörung sollte nicht getaucht werden.
Wann zum HNO?
Eine HNO-ärztliche Untersuchung ist sinnvoll, wenn das Druckgefühl nach einem Infekt nicht wieder verschwindet, regelmäßig auftritt oder von einer Hörminderung begleitet wird. Auch einseitige oder bei jedem Flug wiederkehrende Beschwerden sollten abgeklärt werden.
Eine plötzlich auftretende deutliche Hörminderung darf nicht automatisch einer Tubenfunktionsstörung zugeschrieben werden. Sie sollte ebenso wie starker Schwindel, Blut oder Flüssigkeit aus dem Ohr und ausgeprägte Schmerzen zeitnah untersucht werden.
Wie wird eine Tubenfunktionsstörung eingeordnet?
Für die Diagnose gibt es nicht den einen Messwert. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Beschwerden, Untersuchung des Trommelfells, Messung des Mittelohrdrucks und Prüfung des Gehörs. Je nach Fragestellung wird auch der Nasenrachenraum untersucht.
Bei Beschwerden, die ausschließlich während eines Druckwechsels auftreten, kann die Vorgeschichte besonders aufschlussreich sein. Bei einer offenen Ohrtrompete wiederum sind andere Symptome und Befunde zu erwarten als bei einer Verengung.
Welche Behandlung infrage kommt, hängt von der festgestellten Form und ihrer Ursache ab. Informationen zur Diagnostik und zu den Behandlungsmöglichkeiten im RKM 740 HNO finden Sie unter Ohrbelüftungsstörungen.
Medizinische Prüfung
Medizinisch geprüft von Prof. Dr. med. Christoph Bergmann
Stand: 08.09.2026
Medizinische Grundlagen
Häufige Fragen
Verschwindet die Störung wieder?
Nach einer Erkältung normalisiert sich die Belüftung häufig, sobald die Schleimhäute abgeschwollen sind. Wiederkehrende oder länger anhaltende Beschwerden sollten genauer untersucht werden.
Kann nur ein Ohr betroffen sein?
Ja. Eine Tubenfunktionsstörung kann einseitig oder beidseitig auftreten. Hält eine einseitige Störung länger an, sollte ihre Ursache abgeklärt werden.
Warum höre ich meine Stimme so laut?
Eine ungewöhnlich laute oder hallende Wahrnehmung der eigenen Stimme kann auf eine offene Ohrtrompete hinweisen. Auch andere Ursachen sind möglich, weshalb das Symptom HNO-ärztlich eingeordnet werden sollte.
Lässt sich die Ohrtrompete trainieren?
Bestimmte Übungen können den Druckausgleich bei einer verengten Ohrtrompete unterstützen. Sie eignen sich jedoch nicht für jede Form der Tubenfunktionsstörung und sollten nicht mit Kraft durchgeführt werden.
Darf ich damit tauchen?
Nur wenn der Druckausgleich zuverlässig und schmerzfrei möglich ist. Bei akuten Beschwerden, einem Infekt oder einer ungeklärten Tubenfunktionsstörung sollte auf das Tauchen verzichtet werden.
Warum bleibt der Ohrdruck nach dem Fliegen bestehen?
Nach einem Druckwechsel kann sich das Mittelohr verzögert an den Umgebungsdruck anpassen, besonders wenn die Schleimhäute durch einen Infekt oder eine Allergie geschwollen sind. Hält das Druckgefühl an, tritt es bei nahezu jedem Flug auf oder kommt eine Hörminderung hinzu, sollte die Tubenfunktion HNO-ärztlich beurteilt werden.
Adresse
RKM 740 Hals-Nasen-Ohrenheilkunde Prof. Dr. med. Christoph Bergmann
Pariser Str. 89
40549 Düsseldorf
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