RKM 740

Chronische Nasennebenhöhlenentzündung

Eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung ist keine über Wochen verschleppte Erkältung. Es handelt sich um eine anhaltende Entzündung der Schleimhäute in Nase und Nasennebenhöhlen. Der medizinische Begriff lautet chronische Rhinosinusitis.

Die Erkrankung kann die Nasenatmung, den Geruchssinn, den Schlaf und die körperliche Belastbarkeit beeinträchtigen. Manche Patient:innen haben vor allem eine dauerhaft verstopfte Nase, andere leiden unter zähem Sekret, wiederkehrenden Infekten oder einem Druckgefühl im Gesicht.

Wann ist eine Nasennebenhöhlenentzündung chronisch?

Von einer chronischen Rhinosinusitis wird gesprochen, wenn die Beschwerden länger als zwölf Wochen bestehen. Typisch sind mindestens zwei der folgenden Symptome, wobei eine behinderte Nasenatmung oder vermehrtes Nasensekret dazugehören sollte:

  • verstopfte oder behinderte Nasenatmung
  • Sekret aus der Nase oder in den Rachen
  • verminderter oder fehlender Geruchssinn
  • Druck oder Schmerzen im Gesichtsbereich

Zusätzlich müssen sich Hinweise auf eine Entzündung bei der endoskopischen Untersuchung oder in einer geeigneten Bildgebung zeigen. Beschwerden allein reichen für die Diagnose nicht aus.

Gesichtsschmerzen ohne Nasenblockade, Sekret oder auffälligen HNO-Befund haben häufig eine andere Ursache. Möglich sind beispielsweise Migräne, Spannungskopfschmerzen, Erkrankungen der Zähne oder Beschwerden des Kiefergelenks.

Chronische Rhinosinusitis mit oder ohne Nasenpolypen

Bei der chronischen Rhinosinusitis wird zunächst zwischen einer Erkrankung mit und ohne Nasenpolypen unterschieden.

Nasenpolypen sind gutartige Schleimhautwucherungen, die meist beidseitig in der Nase und den Nasennebenhöhlen entstehen. Sie können die Nasenatmung deutlich behindern und den Geruchssinn einschränken. Häufig liegt eine bestimmte Form der Entzündungsreaktion zugrunde, die als Typ-2-Entzündung bezeichnet wird.

Diese Entzündungsform tritt häufiger gemeinsam mit Asthma oder einer Unverträglichkeit gegenüber bestimmten Schmerzmitteln auf. Eine Allergie kann zusätzlich bestehen, ist aber nicht bei allen Patient:innen die Ursache der Polypen.

Bei einer chronischen Rhinosinusitis ohne Polypen stehen je nach Krankheitsform Schleimhautschwellungen, Sekretbildung und gestörte Belüftung im Vordergrund. Auch hier gibt es unterschiedliche Entzündungsmuster und mögliche Auslöser.

Einseitige Polypen oder ein ausschließlich einseitiger Befund sollten immer genauer untersucht werden, da sich dahinter andere Erkrankungen verbergen können.

Wie entsteht die Erkrankung?

Eine chronische Rhinosinusitis hat selten nur eine einzige Ursache. Schleimhautbarriere, Immunsystem, anatomische Verhältnisse und Umwelteinflüsse können zusammenwirken.

Mögliche Einflussfaktoren sind Allergien, Asthma, wiederkehrende Entzündungen, anatomische Engstellen, Rauchen und bestimmte Störungen des Immunsystems. Eine einseitige Entzündung der Kieferhöhle kann auch von einem erkrankten Zahn oder einer vorausgegangenen zahnärztlichen Behandlung ausgehen.

Bakterien können bei akuten Verschlechterungen eine Rolle spielen. Die chronische Erkrankung ist jedoch nicht grundsätzlich eine dauerhaft bestehende bakterielle Infektion. Deshalb sind Antibiotika nicht automatisch die passende Behandlung.

Wie wird eine chronische Rhinosinusitis festgestellt?

Die Diagnose beginnt mit der genauen Erfassung der Beschwerden und des bisherigen Verlaufs. Wichtig sind unter anderem die Dauer der Symptome, frühere Behandlungen, der Geruchssinn und mögliche Begleiterkrankungen wie Allergien oder Asthma.

Bei der Nasenendoskopie werden Schleimhautschwellungen, Sekret, Polypen und die Zugänge zu den Nasennebenhöhlen beurteilt. Ein Riechtest kann erfassen, wie stark der Geruchssinn beeinträchtigt ist.

Eine Computertomografie (CT) oder die Digitale Volumentomografie (DVT) zeigt die Nasennebenhöhlen und ihre anatomischen Verhältnisse. Sie wird vor allem bei unklaren oder ausgeprägten Befunden und zur Vorbereitung einer Operation eingesetzt. Eine Auffälligkeit im CT oder DVT allein beweist jedoch nicht, dass sämtliche Beschwerden von den Nasennebenhöhlen verursacht werden.

Je nach Krankheitsbild können eine Allergiediagnostik, Laboruntersuchungen und eine Mitbeurteilung der unteren Atemwege sinnvoll sein. Bei einem einseitigen Befund kann zusätzlich eine zahnärztliche oder kieferchirurgische Abklärung notwendig werden.

Wie wird eine chronische Rhinosinusitis behandelt?

Die Behandlung richtet sich nach Art und Schwere der Erkrankung, den bisherigen Therapien und möglichen Begleiterkrankungen. Ziel ist es, die Entzündung zu kontrollieren, Beschwerden zu verringern und den Geruchssinn möglichst zu erhalten oder zu verbessern.

Nasenspülungen

Spülungen mit einer geeigneten Salzlösung können Sekret, Krusten und entzündliche Bestandteile aus der Nase entfernen. Sie unterstützen die Selbstreinigung der Schleimhaut und werden häufig über längere Zeit angewendet.

Entscheidend sind eine hygienische Zubereitung und die richtige Salzkonzentration. Reines Leitungswasser ohne geeignete Aufbereitung und Salzbeimischung sollte nicht verwendet werden.

Lokales Kortison

Kortisonhaltige Nasensprays oder Nasentropfen gehören zu den wichtigsten Medikamenten bei chronischer Rhinosinusitis. Sie wirken direkt an der Schleimhaut und können Schwellungen und Polypen verringern.

Die Behandlung muss regelmäßig und mit der richtigen Anwendungstechnik erfolgen. Die Wirkung entwickelt sich nicht immer sofort. Bei korrekter Dosierung ist die Belastung des gesamten Körpers deutlich geringer als bei Kortisontabletten.

Weitere Medikamente

Kortisontabletten können bei ausgeprägten Nasenpolypen vorübergehend eine deutliche Besserung bewirken. Wegen möglicher Nebenwirkungen sind sie jedoch nicht für eine häufige oder unkontrollierte Anwendung vorgesehen.

Antibiotika kommen vor allem dann infrage, wenn Hinweise auf eine zusätzliche bakterielle Entzündung bestehen. Bei einer chronischen Rhinosinusitis ohne eitriges Sekret sollten sie nicht routinemäßig eingesetzt werden.

Liegt gleichzeitig eine Allergie vor, kann deren Behandlung die Kontrolle der Beschwerden unterstützen. Sie ersetzt jedoch nicht automatisch die Therapie der chronischen Rhinosinusitis.

Operation

Eine Operation kann sinnvoll sein, wenn die Erkrankung trotz geeigneter medikamentöser Behandlung nicht ausreichend kontrolliert werden kann oder besondere Befunde vorliegen.

Dabei werden die erkrankten Nasennebenhöhlen endoskopisch zugänglich gemacht. Die Operation soll nicht nur Engstellen behandeln, sondern auch ermöglichen, dass Nasenspülungen und lokale Medikamente die betroffenen Bereiche anschließend besser erreichen.

Auch nach einer erfolgreichen Operation kann die chronische Entzündungsneigung fortbestehen. Deshalb bleibt abhängig von der Krankheitsform eine längerfristige lokale Behandlung wichtig. Weitere Informationen zum operativen Vorgehen finden Sie unter Chirurgie der Nase und Nasennebenhöhlen.

Biologika

Für Patient:innen mit schwerer, unzureichend kontrollierter chronischer Rhinosinusitis mit Nasenpolypen stehen Biologika zur Verfügung. Diese Medikamente greifen gezielt in bestimmte Entzündungswege ein und werden in regelmäßigen Abständen gespritzt.

Ob ein Biologikum infrage kommt, hängt unter anderem von der Ausprägung der Polypen, dem Geruchssinn, der bisherigen Behandlung, früheren Operationen, dem Bedarf an Kortisontabletten und möglichen Begleiterkrankungen wie Asthma ab.

Biologika sind keine allgemeine Alternative für jede chronische Nasennebenhöhlenentzündung. Wirkung und Verträglichkeit müssen nach Beginn der Behandlung in festgelegten Abständen überprüft werden.

Langfristige Kontrolle

Die chronische Rhinosinusitis kann über Jahre unterschiedlich aktiv sein. Phasen mit geringen Beschwerden können sich mit erneuten Verschlechterungen abwechseln.

Regelmäßige Kontrollen helfen, Veränderungen früh zu erkennen und die Behandlung anzupassen. Besonders bei Nasenpolypen besteht auch nach einer Operation die Möglichkeit, dass sie erneut wachsen.

Eine verlässliche Langzeitbehandlung entsteht deshalb häufig aus mehreren Bausteinen: konsequenter lokaler Therapie, Behandlung von Begleiterkrankungen, endoskopischen Kontrollen und – wenn notwendig – einer Operation oder einem Biologikum.

Wann zeitnah untersuchen?

Eine rasche ärztliche Abklärung ist notwendig, wenn Beschwerden ausschließlich auf einer Seite auftreten oder von Nasenbluten, einer sichtbaren Schwellung, Sehstörungen oder Gefühlsveränderungen im Gesicht begleitet werden.

Starke Kopfschmerzen, hohes Fieber, eine Schwellung der Augenlider, Doppelbilder, Sehverschlechterungen oder neurologische Auffälligkeiten können auf eine seltene Komplikation hinweisen und müssen umgehend untersucht werden.

Medizinische Prüfung

Medizinisch geprüft von Prof. Dr. med. Christoph Bergmann
Stand: 08.09.2026

Häufige Fragen

Ist chronische Sinusitis ansteckend?

Die chronische Entzündung selbst ist nicht ansteckend. Während einer zusätzlichen akuten Virusinfektion können die auslösenden Viren jedoch übertragen werden.

Ist eine Allergie die Ursache?

Eine Allergie kann die Nasenschleimhaut zusätzlich belasten, ist aber nicht bei allen Patient:innen die Ursache der chronischen Rhinosinusitis. Beide Erkrankungen sollten getrennt untersucht und behandelt werden.

Macht Kortison abhängig?

Kortisonhaltige Nasensprays machen nicht abhängig. Sie unterscheiden sich von abschwellenden Nasensprays, bei denen eine längerfristige Anwendung zu einer Gewöhnung und zusätzlichen Schleimhautschwellung führen kann.

Heilt eine Operation die Erkrankung?

Eine Operation kann die Beschwerden deutlich verringern und die weitere lokale Behandlung verbessern. Die zugrunde liegende Entzündungsneigung kann jedoch bestehen bleiben. Deshalb sind Nachsorge und häufig auch eine langfristige medikamentöse Behandlung wichtig.

Sind Biologika besser als eine Operation?

Das lässt sich nicht allgemein beantworten. Beide Behandlungen haben unterschiedliche Voraussetzungen, Möglichkeiten und Grenzen. Die Entscheidung hängt von der Krankheitsform, dem bisherigen Verlauf, früheren Operationen und möglichen Begleiterkrankungen ab.

Adresse

RKM 740 Hals-Nasen-Ohrenheilkunde Prof. Dr. med. Christoph Bergmann

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