Speichelsteine
Speichelsteine können den Ausführungsgang einer Speicheldrüse verengen oder verschließen. Typisch sind Schmerzen und eine einseitige Schwellung, die während einer Mahlzeit zunehmen und anschließend wieder nachlassen.
Bleibt der Speichelabfluss länger behindert, kann sich die Drüse entzünden. Eine frühzeitige Untersuchung hilft, die Ursache festzustellen und nach Möglichkeit ein drüsenerhaltendes Verfahren zu wählen.
Was ist ein Speichelstein?
Speichelsteine sind feste Ablagerungen, die sich in einer Speicheldrüse oder ihrem Ausführungsgang bilden. Medizinisch wird dies als Sialolithiasis bezeichnet.
Blockiert ein Stein den Ausführungsgang, kann der neu gebildete Speichel nicht ungehindert in den Mundraum abfließen. Er staut sich in der Drüse zurück. Dadurch entstehen Druck, Schmerzen und Schwellungen. Wiederkehrende Abflussstörungen können eine Entzündung der Speicheldrüse begünstigen.
Wo entstehen Speichelsteine?
Am häufigsten ist die Unterkieferspeicheldrüse betroffen. Ihr Ausführungsgang mündet unter der Zunge. Seltener entstehen Speichelsteine in der Ohrspeicheldrüse, deren Ausführungsgang in der Wangenschleimhaut endet.
Die Lage des Steins beeinflusst, wie gut er ertastet oder im Ultraschall erkannt werden kann und welches Behandlungsverfahren infrage kommt.
Warum schwillt die Speicheldrüse beim Essen an?
Charakteristisch ist eine Schwellung, die beim Essen oder bereits beim Gedanken an eine Mahlzeit auftritt. Die Speichelproduktion nimmt zu, der Speichel kann an der blockierten Stelle jedoch nicht ausreichend abfließen.
Mögliche Beschwerden sind:
- Schmerzen und Schwellung unter dem Unterkiefer oder vor dem Ohr
- ein Druckgefühl während der Mahlzeiten
- ein verminderter oder unangenehm schmeckender Speichelfluss
- wiederkehrende Entzündungen der betroffenen Drüse
- Rötung, Überwärmung oder Eiteraustritt am Ausführungsgang
Kleine Speichelsteine können lange unbemerkt bleiben. Nicht jede Schwellung einer Speicheldrüse wird jedoch durch einen Stein verursacht. Auch Entzündungen, Verengungen des Ausführungsgangs, Zysten und Tumoren kommen als Ursache infrage.
Wie entstehen Speichelsteine?
Meist lässt sich keine einzelne Ursache feststellen. An ihrer Entstehung können die Zusammensetzung des Speichels, ein verlangsamter Speichelfluss und Veränderungen des Ausführungsgangs beteiligt sein.
Zu wenig Flüssigkeit, bestimmte Medikamente oder Erkrankungen können die Speichelproduktion vermindern. Sie führen aber nicht zwangsläufig zu einem Speichelstein. Auch eine kalziumreiche Ernährung ist nach heutigem Wissen nicht die einfache Ursache. Speichelsteine sind zudem nicht mit Nieren- oder Gallensteinen gleichzusetzen.
Wie werden Speichelsteine festgestellt?
Am Anfang stehen die Beschreibung der Beschwerden und die Untersuchung der betroffenen Speicheldrüse. Der Verlauf während der Mahlzeiten liefert häufig einen wichtigen Hinweis. Je nach Lage kann ein Stein im Mundboden oder im Ausführungsgang ertastet werden.
Mit einer Ultraschalluntersuchung lassen sich viele Speichelsteine sowie Veränderungen des Drüsengewebes erkennen. Kleine oder ungünstig gelegene Steine sind jedoch nicht immer sicher darstellbar. Bei unklarem Befund können weitere bildgebende Untersuchungen notwendig sein.
Eine Speichelgangsendoskopie, die sogenannte Sialendoskopie, ermöglicht einen direkten Blick in den Ausführungsgang. Sie kann zur Diagnostik und in geeigneten Fällen zugleich zur Behandlung eingesetzt werden.
Weitere Informationen zur Untersuchung von Speicheldrüsenerkrankungen finden Sie auf der Leistungsseite Speicheldrüsen und Speicheldrüsenchirurgie.
Muss jeder Stein behandelt werden?
Nicht jeder zufällig entdeckte Speichelstein verursacht Beschwerden. Ob eine Behandlung erforderlich ist, hängt unter anderem von seiner Lage, seiner Größe und dem Zustand der Speicheldrüse ab.
Verursacht der Stein wiederholt Schmerzen, Schwellungen oder Entzündungen, sollte der Speichelabfluss wiederhergestellt werden. Unbehandelte Abflussstörungen können das Drüsengewebe auf Dauer schädigen.
Bei einer akuten bakteriellen Entzündung kann zunächst eine medikamentöse Behandlung notwendig sein. Antibiotika sind jedoch nicht bei jeder Schwellung sinnvoll, sondern nur bei einem entsprechenden Befund.
Drüsenerhaltende Behandlung
Die Entfernung der gesamten Speicheldrüse ist bei einem Speichelstein heute nicht automatisch notwendig. Abhängig von Größe und Lage stehen verschiedene drüsenerhaltende Verfahren zur Verfügung.
Kleine, bewegliche Steine können manchmal über den natürlichen Ausführungsgang entfernt werden. Bei der Sialendoskopie werden sehr feine Instrumente in den Speichelgang eingeführt. Geeignete Steine lassen sich mit einem kleinen Körbchen oder einer Zange bergen.
Größere oder festsitzende Steine können eine Zerkleinerung oder ein kombiniertes Vorgehen erfordern. Dabei wird der Stein endoskopisch lokalisiert und über einen kleinen Zugang entfernt. Ziel ist es, den Ausführungsgang wieder zu öffnen und die Funktion der Drüse zu erhalten.
Welches Verfahren geeignet ist, hängt nicht allein von der Größe des Steins ab. Auch seine genaue Position, die Anatomie des Ausführungsgangs, frühere Entzündungen und die Erfahrung des behandelnden Zentrums spielen eine Rolle.
Wann wird die Drüse entfernt?
Eine vollständige Entfernung der betroffenen Speicheldrüse kann erwogen werden, wenn das Drüsengewebe dauerhaft geschädigt ist, wiederholte Entzündungen bestehen oder eine drüsenerhaltende Behandlung nicht möglich oder erfolglos war.
Durch die Weiterentwicklung der Sialendoskopie und kombinierter Verfahren ist eine solche Operation bei rein steinbedingten Abflussstörungen heute deutlich seltener erforderlich. Vor einer Entfernung sollte deshalb geprüft werden, ob ein drüsenerhaltendes Vorgehen möglich ist.
Können Speichelsteine wiederkommen?
Auch nach erfolgreicher Entfernung kann sich erneut ein Speichelstein bilden. Das Risiko lässt sich nicht vollständig ausschließen. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, sorgfältige Mundhygiene und die Behandlung begünstigender Erkrankungen können einen normalen Speichelfluss unterstützen.
Treten nach der Behandlung erneut mahlzeitenabhängige Schwellungen auf, sollte auch an eine Verengung oder Vernarbung des Ausführungsgangs gedacht werden.
Wann ist es dringend?
Eine rasch zunehmende Schwellung, Fieber, starke Schmerzen, eine deutliche Rötung oder Eiteraustritt können auf eine akute Entzündung hinweisen. Auch eine neu aufgetretene, dauerhaft tastbare Verhärtung sollte zeitnah untersucht werden.
Bei Schluckbeschwerden, Luftnot oder einer sich schnell ausbreitenden Schwellung ist eine sofortige medizinische Abklärung notwendig.
Medizinische Prüfung
Medizinisch geprüft von Prof. Dr. med. Christoph Bergmann
Stand: 08.09.2026
Medizinische Grundlagen
• Müller SK, Koch M: Update Speicheldrüsenchirurgie, HNO 2026
• Beumer et al.: Success rate of sialendoscopy – systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse, 2024
• AWMF-S2k-Leitlinie: Obstruktive Sialadenitis
Häufige Fragen
Kann ein Stein von selbst abgehen?
Kleine Steine in der Nähe der Gangöffnung können gelegentlich von selbst austreten. Bei wiederkehrenden Beschwerden sollte trotzdem untersucht werden, ob weitere Steine oder eine Verengung vorliegen.
Helfen saure Lebensmittel?
Saure Lebensmittel regen den Speichelfluss an. Bei einer vollständigen Blockade kann dies die Schmerzen und die Schwellung jedoch verstärken. Wiederkehrende Beschwerden sollten deshalb nicht dauerhaft in Eigenregie behandelt werden.
Muss die Drüse immer entfernt werden?
Nein. Bei vielen Speichelsteinen kommen heute drüsenerhaltende Verfahren infrage. Ob dies möglich ist, hängt vor allem von der Lage des Steins und dem Zustand der Drüse ab.
Ist jede Schwellung ein Speichelstein?
Nein. Hinter einer Schwellung können auch eine Entzündung, eine Gangverengung, eine Zyste oder ein Tumor stehen. Bleibt sie bestehen oder tritt sie wiederholt auf, sollte die Ursache untersucht werden.
Können Speichelsteine erneut entstehen?
Ja, ein erneutes Auftreten ist möglich. Auch Vernarbungen oder Verengungen des Ausführungsgangs können später ähnliche Beschwerden verursachen.
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