Obstruktive Schlafapnoe

Bei einer obstruktiven Schlafapnoe verengen oder verschließen sich die oberen Atemwege während des Schlafs wiederholt. Die Atemmuskulatur arbeitet weiter, die Luft kann jedoch zeitweise nicht ausreichend in die Lunge gelangen.

Der Körper reagiert darauf mit kurzen Weckreaktionen. Sie werden meist nicht bewusst wahrgenommen, können den Schlaf aber immer wieder unterbrechen. Abhängig von Dauer und Häufigkeit der Atemstörungen kann dabei auch der Sauerstoffgehalt im Blut sinken.

Viele Betroffene wissen zunächst nichts von ihrer Erkrankung. Häufig sind es Partner:innen, denen lautes, unregelmäßiges Schnarchen oder Atempausen auffallen.

Was passiert bei obstruktiver Schlafapnoe?

Während des Schlafs lässt die Spannung der Muskulatur nach. Das betrifft auch Zunge, Gaumensegel und Rachenwände. Bei entsprechend engen anatomischen Verhältnissen kann der Atemweg dadurch instabil werden und teilweise oder vollständig zusammenfallen.

Das Gehirn registriert die gestörte Atmung und löst eine kurze Weckreaktion aus. Die Muskelspannung nimmt zu, der Atemweg öffnet sich wieder und die Atmung setzt häufig mit einem tiefen Atemzug oder lauten Schnarchgeräusch ein. Danach kann der Vorgang erneut beginnen.

Diese Reaktionen stören den natürlichen Schlafablauf, selbst wenn die betroffene Person nicht vollständig erwacht. Ein vermeintlich ausreichend langer Schlaf kann deshalb wenig erholsam sein.

Schnarchen oder Schlafapnoe?

Schnarchen entsteht, wenn Gewebe in den oberen Atemwegen durch die vorbeiströmende Luft in Schwingung gerät. Beim primären Schnarchen bleibt die Atmung weitgehend stabil.

Bei einer obstruktiven Schlafapnoe kommt es zusätzlich zu wiederholten Verengungen oder Verschlüssen des Atemwegs. An der Lautstärke des Schnarchens lässt sich nicht erkennen, ob eine Schlafapnoe vorliegt.

Eine zentrale Schlafapnoe ist davon zu unterscheiden. Bei ihr liegt die Ursache nicht in einem Verschluss der oberen Atemwege, sondern in einer zeitweise aussetzenden Atemsteuerung. Sie erfordert eine andere medizinische Einordnung.

Welche Symptome kann Schlafapnoe verursachen?

Eine obstruktive Schlafapnoe kann sich nachts und tagsüber bemerkbar machen. Mögliche Hinweise sind:

  • lautes, unregelmäßiges Schnarchen oder beobachtete Atemaussetzer
  • plötzliches Luftschnappen und unruhiger Schlaf
  • starkes Schwitzen oder vermehrter nächtlicher Harndrang
  • trockener Mund oder Kopfschmerzen am Morgen
  • nicht erholsamer Schlaf und ausgeprägte Tagesmüdigkeit
  • Konzentrations-, Gedächtnis- oder Leistungsprobleme
  • Reizbarkeit und Stimmungsschwankungen

Nicht alle Betroffenen sind tagsüber deutlich müde. Bei Frauen stehen mitunter unspezifische Beschwerden wie Erschöpfung, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen oder Stimmungsschwankungen im Vordergrund. Dadurch kann die Erkrankung leichter übersehen werden.

Wer hat ein erhöhtes Risiko?

Übergewicht gehört zu den wichtigsten Risikofaktoren, ist aber keine Voraussetzung. Auch schlanke und sportliche Menschen können eine obstruktive Schlafapnoe entwickeln. Eine Rolle spielen können:

  • enge anatomische Verhältnisse im Rachen
  • ein zurückliegender Unterkiefer
  • vergrößerte Mandeln oder ein enger Zungengrund
  • zunehmendes Lebensalter
  • familiäre Veranlagung
  • Alkohol sowie bestimmte Schlaf- und Beruhigungsmittel
  • Schlafen in Rückenlage
  • hormonelle Veränderungen

Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Nach den Wechseljahren steigt das Risiko auch bei Frauen. Eine behinderte Nasenatmung kann die nächtliche Atmung zusätzlich erschweren, ist aber nur selten die alleinige Ursache einer obstruktiven Schlafapnoe.

Wie gefährlich ist eine Schlafapnoe?

Durch die wiederholten Atemstörungen wird der Körper während des Schlafs immer wieder aktiviert. Herzfrequenz und Blutdruck können ansteigen, während gleichzeitig der erholsame Schlaf unterbrochen wird.

Eine obstruktive Schlafapnoe tritt überdurchschnittlich häufig gemeinsam mit Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, koronarer Herzkrankheit, Schlaganfällen und Störungen des Zuckerstoffwechsels auf. Auch depressive Beschwerden können häufiger vorkommen.

Das persönliche Risiko hängt vom Schweregrad, den Sauerstoffabfällen, vorhandenen Begleiterkrankungen und weiteren Faktoren ab. Nicht jede Person mit Schlafapnoe entwickelt eine Folgeerkrankung.

Besonders unmittelbar ist das erhöhte Unfallrisiko bei ausgeprägter Tagesschläfrigkeit. Unbemerkte Einschlafepisoden können beim Autofahren oder Bedienen von Maschinen gefährlich werden.

Was bedeutet der AHI?

Zur Beurteilung wird häufig der Apnoe-Hypopnoe-Index, kurz AHI, verwendet. Er gibt an, wie viele vollständige oder teilweise Unterbrechungen der Atmung durchschnittlich pro Schlafstunde auftreten.

Bei Erwachsenen gelten 5 bis unter 15 Ereignisse pro Stunde üblicherweise als leichte, 15 bis unter 30 als mittelgradige und mindestens 30 Ereignisse als schwere Schlafapnoe.

Der AHI allein entscheidet jedoch nicht über die Behandlungsbedürftigkeit. Ebenso wichtig sind Sauerstoffabfälle, Dauer und Lageabhängigkeit der Ereignisse, Tagesmüdigkeit und mögliche Begleiterkrankungen.

Eine ambulante Messung kann den Schweregrad unter bestimmten Bedingungen unterschätzen. Passt ein unauffälliges Ergebnis nicht zu den Beschwerden, kann deshalb eine weiterführende Untersuchung notwendig sein.

Wie wird Schlafapnoe festgestellt?

Fragebögen, Smartphone-Apps und Smartwatches können Hinweise liefern, eine obstruktive Schlafapnoe aber nicht zuverlässig feststellen oder ausschließen.

Zur Diagnose gehören die Krankengeschichte, eine körperliche Untersuchung und eine objektive Messung während des Schlafs. Dabei wird geprüft, ob Atemaussetzer auftreten, wie sich die Sauerstoffsättigung verhält und ob die Ereignisse beispielsweise von der Schlafposition abhängen.

Bei einer ambulanten Messung werden ausgewählte Atmungs- und Kreislaufparameter zu Hause erfasst. Eine Polysomnographie im Schlaflabor zeichnet zusätzlich Schlafphasen und weitere Körperfunktionen auf. Sie kann erforderlich sein, wenn der ambulante Befund unklar bleibt oder weitere Schlafstörungen vermutet werden.

Informationen zur schlafmedizinischen Untersuchung im RKM 740 HNO finden Sie unter Schlafmedizin und Schnarchtherapie.

Wie wird Schlafapnoe behandelt?

Ziel der Behandlung ist es, den Atemweg während des Schlafs offenzuhalten, Atemaussetzer zu reduzieren und einen erholsameren Schlaf zu ermöglichen. Welche Therapie infrage kommt, hängt nicht nur vom AHI, sondern auch von Beschwerden, Begleiterkrankungen und anatomischen Voraussetzungen ab.

Eine PAP-Therapie kann die oberen Atemwege während des Schlafs zuverlässig offenhalten und ist besonders bei ausgeprägteren Formen der obstruktiven Schlafapnoe ein zentraler Behandlungsweg.

Bei ausgewählten Patient:innen kann eine Unterkieferprotrusionsschiene eine Alternative sein. Ob sie geeignet ist, hängt unter anderem vom Schweregrad, der Anatomie und möglichen zahnmedizinischen Voraussetzungen ab. Der Behandlungserfolg sollte objektiv kontrolliert werden.

Bei einer lageabhängigen Schlafapnoe kann eine Positionstherapie helfen. Besteht Übergewicht, kann eine Gewichtsreduktion die Zahl der nächtlichen Atemstörungen verringern. Sie ersetzt eine notwendige Therapie jedoch nicht automatisch.

Operative Verfahren kommen nur bei passenden anatomischen Voraussetzungen infrage. Entscheidend ist, an welcher Stelle der obere Atemweg im Schlaf instabil wird. Eine bessere Nasenatmung kann eine Behandlung unterstützen; eine obstruktive Schlafapnoe hat jedoch häufig mehrere Ursachen und wird durch eine Nasenoperation allein meist nicht beseitigt.

Für einzelne Patient:innen, bei denen andere Behandlungen nicht ausreichend wirken oder nicht vertragen werden, können weitere Verfahren wie die Stimulation des Zungennervs erwogen werden. Dafür müssen klar definierte medizinische Voraussetzungen erfüllt sein.

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Schlafapnoe behandeln: Chirurgie & UKP-Schiene.

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Schlafstörungen gezielt erkennen und behandeln.

Woran erkennt man, ob die Behandlung wirkt?

Weniger Schnarchen bedeutet nicht automatisch, dass auch die Atemaussetzer ausreichend behandelt sind. Eine Therapie sollte deshalb nicht nur nach dem persönlichen Empfinden oder den Beobachtungen der Partner:innen beurteilt werden.

Nach einer Schieneneinstellung, einer Operation, einer deutlichen Gewichtsveränderung oder einer anderen wesentlichen Therapieänderung kann eine erneute Schlafmessung notwendig sein.

Eine bestehende Behandlung sollte nicht eigenständig beendet werden. Auch wenn die Beschwerden nachlassen, kann die Schlafapnoe weiterhin bestehen.

Im Alltag

Regelmäßige Schlafzeiten und eine ruhige Schlafumgebung können die Schlafqualität unterstützen. Eine obstruktive Schlafapnoe lässt sich durch Schlafhygiene allein jedoch nicht behandeln.

Alkohol kann die Muskelspannung im Rachen verringern und Atemaussetzer verstärken. Auch bestimmte Schlaf-, Beruhigungs- und Schmerzmittel können die Atmung beeinflussen. Verordnete Medikamente sollten deshalb nicht eigenständig abgesetzt, sondern ärztlich besprochen werden.

Bei ausgeprägter Tagesmüdigkeit oder ungewolltem Einschlafen besteht ein erhöhtes Unfallrisiko. Betroffene sollten bis zur ärztlichen Abklärung nicht selbst Auto fahren und keine gefährlichen Maschinen bedienen.

Medizinische Prüfung

Medizinisch geprüft von Prof. Dr. med. Christoph Bergmann

Stand: 08.09.2026

Medizinische Grundlagen

AWMF-S3-Leitlinie: Nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörungen – Schlafbezogene Atmungsstörungen; Gesamtleitlinie in Überarbeitung
Teil-Aktualisierung der S3-Leitlinie zu schlafbezogenen Atmungsstörungen bei Erwachsenen, 2020
Gesundheitsinformation.de: Obstruktive Schlafapnoe
AASM-Leitlinie zur Diagnostik der obstruktiven Schlafapnoe

Häufige Fragen

Hat jeder schnarchende Mensch eine Schlafapnoe?

Nein. Schnarchen kann ohne relevante Atemaussetzer auftreten. Da sich primäres Schnarchen und Schlafapnoe anhand des Geräusches nicht sicher unterscheiden lassen, ist bei zusätzlichen Beschwerden eine nächtliche Messung sinnvoll.

Kann Schlafapnoe ohne Schnarchen auftreten?

Ja. Starkes Schnarchen ist häufig, aber keine Voraussetzung. Besonders bei Frauen und älteren Menschen können Müdigkeit, nicht erholsamer Schlaf oder morgendliche Kopfschmerzen im Vordergrund stehen.

Können schlanke Menschen betroffen sein?

Ja. Körpergewicht ist nur einer von mehreren Faktoren. Auch die Form von Kiefer, Zunge, Gaumen und Rachen sowie Alter und familiäre Veranlagung können eine Rolle spielen.

Erkennt eine Smartwatch Atemaussetzer?

Smartwatches und Apps können Veränderungen von Schlaf, Sauerstoffsättigung oder Schnarchgeräuschen anzeigen. Sie ersetzen keine medizinische Schlafmessung und können eine Schlafapnoe weder sicher feststellen noch ausschließen.

Kann Schlafapnoe wieder verschwinden?

Der Befund kann sich beispielsweise nach einer deutlichen Gewichtsabnahme, einem operativen Eingriff oder einer Veränderung anderer Einflussfaktoren verbessern. Ob die Erkrankung weiterhin besteht, muss durch eine erneute Schlafmessung geprüft werden.

Was bedeutet ein AHI von 5, 15 oder 30?

Der Apnoe-Hypopnoe-Index beschreibt die durchschnittliche Zahl vollständiger oder teilweiser Atemstörungen pro Schlafstunde. Bei Erwachsenen gelten 5 bis unter 15 Ereignisse pro Stunde üblicherweise als leicht, 15 bis unter 30 als mittelgradig und 30 oder mehr als schwer. Für die Therapieentscheidung zählt jedoch nicht der AHI allein.

Adresse

RKM 740 Hals-Nasen-Ohrenheilkunde Prof. Dr. med. Christoph Bergmann

Pariser Str. 89
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